Achim Schaffrina, Autor des Blogs Design Tagebuch, habe ich letztes Jahr bei einem Mercedes Benz Markenworkshop kennen gelernt. Er ist schon verdammt weit herumgekommen, wie Ihr in seinen wunderbaren Reiseberichten auf theglobetrotter.de nachlesen könnt:
Achim hat mir seine Antworten zu unserer Blogparade Reisen gemailt, also veröffentliche ich Sie gerne hier – lest von einem echten Reiseprofi:
Was treibt Dich überhaupt an zu reisen?
Ich möchte sprichwörtlich den Horizont erweitern und vor allem das Gefühl von Grenzenlosigkeit erleben.
Dein erster richtiger Trip: Wie bist Du wohin gereist – und warum?
Mit 22 bin ich von Toronto nach Neufundland getrampt. Eine ganz tolle Erfahung war das. Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft verbinde ich seitdem mit dieser Region. Auch an die Natur im Gros Morne Nationalpark auf Neufundland denke ich heute noch. Der größte Trip hingegen war eine 9-monatige Weltreise.
Dein wichtigster Ratschlag aus eigener Erfahrung, an jemanden, der sich auf Reisen begibt?
Loslassen zu können ist die wichtigste Voraussetzung um Neues zu entdecken.
Wenn Du 50 Tage lang, jeden Tag 200km weiter fährst – was wäre Dir besonders wichtig?
Die Ausrüstung muss stimmen. Auch ein Plan oder ein GPS wären nicht schlecht.
Unterwegs macht man die spannendsten Bekanntschaften und trifft menschen, die einen ganz besonders berühren. Wo und wie hast Du die interessantesten Bekanntschaften gemacht?
Spannende Begegnungen macht man in jedem Fall beim Reisen per Anhalter. In Ländern, wo es sicher ist, etwa in Kanada, Neuseeland, oder in den skandinavischen Ländern würde ich es unbedingt empfehlen, weil man auf diese Art, die Menschen am leichtesten kennen lernen kann.
Ein Blick in Deinen Koffer: Was darf NIE fehlen?
Oftmals habe ich gar keinen Koffer, sondern einen Rucksack. Dementsprechend dürfen gute Wanderschuhe niemals bei mir fehlen.
Gibt es eine Reise, die Du in Deinem Leben unbedingt noch unternehmen möchtest?
Ich fürchte, das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Ich möchte Machu Pichu sehen, den Regenwald und die Vulkane Costa Ricas, das alljährliche Waltreffen vor der Baja California, Japan, die Mongolei und irgendwann werde ich hoffentlich auf einer 2-jährigen Tour mit einem Wagen von Alaska nach Feuerland fahren.
Geht es Dir auch so: Das spannende am Reisen ist das Unerwartete. Was war für Dich auf Deinen Touren das abgefahrenste?
Nachhaltig beeindruckt hat mich die Gastfreundschaft einer Familie auf Nova Scotia, die mir unter anderem ihren Wagen samt Kajak ohne lange zu fackeln geliehen hat. Ich wünschte, ich hätte auch solch ein Vertrauen in das Gute im Menschen. „Abgefahren“ war hingegen die Fahrt in dem aufgemotzen Sportwagen eines in Quebec lebenden Indianers der viel zu schnell fuhr, dabei aber genügend Zeit hatte, im Vorbeifahren seine weißen Mitbürger mit dem Stinkefinger zu grüßen. Erst als ich angeschnallt neben ihm saß, bemerkte ich seine Fahne. Den selbstgebrannten Schnaps lehnte ich höfflich ab. Stattdessen bat ich ihn, mich an der nächsten Ecke wieder raus zu lassen.
Und noch spannender ist im Nachhinein das, was schief ging. Was war Dein größte Reisemissgeschick?
In Los Angeles habe ich mal einen Flug verpasst, weil ich die Flugnummer mit der Uhrzeit verwechselt habe! Nach einer Nacht am Flughafen und 24 Stunden Verspätung bin ich schließlich doch noch in Santiago de Chile angekommen.
Ok eine Steigerung gibt es noch: Magst Du uns die größte Dummheit erzählen, die Du auf einem Deiner Trips begangen hast?
Im Grand Teton Nationalpark bin ich einer Gruppe Moose zu nah gekommen. Der Bulle griff mich an. Wenn 600-700 Kilogramm sich auf einen zu bewegen, dann heißt es die Arme in die Hand nehmen. Sein riesiges Geweih verfehlte mich nur knapp. Mit dem Scheinangriff wollte er sein Revier verteidigen, mit Erfolg. Beim nächsten Kontakt würde ich einen größeren Abstand wählen.
Was isst Du am liebsten auf Reisen? Ich habe die Erfahrung gemacht, am besten immer die Spezialitäten des Ortes statt Wiener Schnitzel oder Spaghetti Bolognese zu bestellen. Auch wenn es manchmal abenteuerliches auf den Teller gibt, die regionalen Speisen werden am liebevollsten zubereitet.
Kulinarische Reisen sind es nicht, die ich unternehme. Auf Wanderungen und meinen Foto-Excursionen reichen mir Nudel- oder Reisgerichte, die man mit ein wenig Wasser selbst am Gaskocher zubereiten kann. Wenn ich in Küstenregionen unterwegs bin, dann gönne ich mir schon einmal eine lokale Fischspezialität.
Das große Tief und Heimweh: Kennst Du sicher auch. Wann tritt es bei Dir ein und was tust Du dagegen?
Eigentlich nicht. Mich überfällt allerdings immer wieder Fernweh. Dagegen hilft nur reisen.
Auto, Flugzeug, zu Fuss, Zug, Trampen, Motor- oder Fahrrad – auf welche Art bist Du am liebsten unterwegs?
Bis auf Motorradreisen habe ich alles schon gemacht. Auch mit dem Kajak bin ich viel unterwegs gewesen. Die schöneren Landschaften entdeckt man, auf Reisen, bei denen man über ein eigenes Fortbewegungsmittel verfügt. Einen größeren Kontakt mit Menschen hat man hingegen beim Trampen oder bei Reisen mit Bus und Bahn. Ich mag beides.
Unterwegs verändert sich irgendwann das Denken, Fühlen und es stellt sich ein Zustand von Entspannung ein, der einen auf verrückte Ideen bringt. Der Alltag zu Hause verschwimmt. Das vorankommen und im Moment leben ist das wichtigste. Wann stellt sich dieser Moment für Dich ein?
Er soll sich möglichst schnell einstellen. Genau deshalb reise ich: um den Alltag zuhause zu lassen.
Was meinst Du, warum viel und weit Gereiste so viel gelassener und selbstbewusster wirken?
Weil sie mehr Routine darin haben, sich auf Unvorhersehbares einzustellen. Jeder, der sich schon einmal in einer Stadt verlaufen hat und trotz fehlender Sprachkenntnissen wieder zurück zum Hotel oder Hostel gefunden hat, reagiert beim nächsten Mal gelassener.
Die größte Reise ist die zu sich selber. Magst Du erzählen, was Du fern ab von allem Alltag über Dich selber heraus gefunden hast?
Mir fällt es nicht schwer Abschied zu nehmen, weil ich genau weiß, dass es wo anders genauso schön ist. Der Ausspruch: „Zuhause ist es am Schönsten“, ist definitiv nicht von mir, was im Umkehrschluss aber auch nicht heißt, dass es zuhause nicht „schön“ ist. Es gibt halt nun einmal Orte – und nicht wenige –, die weitaus schöner sind.
Alleine oder in Begleitung? Wie reist Du am liebsten und was macht eine gute Begleitung für Dich aus?
Entweder ich reise mit der Familie, oder aber ich reise alleine. Beides liebe ich. Der Unterschied ist: mal mache ich Kompromisse und mal mach ich keine ;-)
Der transparente Trip, der ständig von außen nachvollziehbar ist. Wo Du bist, was Du siehst, was Du denkst. Kein Untertauchen, immer in Kontakt. Sofort und direkt – nicht hinterher im Reisebericht. Wie denkst Du über die Idee?
Live-Tracking inkl. GPS-Koordinaten muss nicht sein, aber ein Blog, der während der Reise geführt wird, ist eine tolle Sache, um einerseits das Erlebte zu verarbeiten und natürlich bleibt man mit den Freunden und der Familie so in Kontakt. Mit etwas Traffic auf der Site ist es sogar möglich, ein paar Euro mit GoogleAdSense einzusammeln, die man dann auf der Reise wieder ausgeben kann.
Und eine letzte Frage, die uns ganz besonders wichtig ist, da wir während unseres Trips Träume in ganz Europa gesammelt haben – ganz unabhängig vom Thema Reisen: Was ist DEIN Traum?
Vielleicht mache ich ja mal einen Segelschein und kaufe mir in Neuseeland ein Boot, um damit was zu tun? Genau: um die Welt reisen.
Klasse! Vielen Dank Achim, dass Du Dir die zeit genommen hast. Meine Lieblingsantwort ist die mit dem verpassten Flug in LAX, weil Du Uhrzeit und Flugnummer verwechselt hast. Wäre ich letzte Woche dort nicht in einer Gruppe unterwegs gewesen, wäre mir vermutlich das gleiche passiert :-D














